Chios

Chios
 
[ç-], türkisch Sakɪz Adasɪ ['sakəz ada'sə], griechische Insel im Ägäischen Meer vor der Westküste Kleinasiens, 842 km2, 51 100 Einwohner. Im Norden (bis 1 297 m über dem Meeresspiegel) auf mesozoischen Kalksteinen und Schiefern nur spärliche Vegetation; auf tertiären Sandsteinen und Mergeln im Südosten dagegen reicher Anbau (v. a. Mastixstrauchkulturen) und dichte Besiedlung. An der mittleren Ostküste liegt die Hauptstadt Chios (22 900 Einwohner) mit orthodoxem Bischofssitz; Korais-Bibliothek (u. a. wertvolle Handschriftensammlung; Volkskunde- und Gemäldesammlung der Stiftung Argentis), Archäologisches Museum, Giustiniani-Museum für byzantinische Kunst; Hafen (u. a. Fährverbindung mit der türkischen Stadt Çeşme). Mit den Inseln Inusä (700 Einwohner) und Psara (400 Einwohner) bildet Chios den Bezirk (Nomos) Chios.
 
Der Hafen wird im Norden von der mittelalterlichen Seefestung Kastro (10.-12. Jahrhundert) beherrscht; Reste des alten türkischen Marktviertels mit ehemaliger Moschee; Ruine der frühchristlichen Isidorkirche (5.-7. Jahrhundert; mit Mosaikfußboden). - 12 km westlich der Stadt Chios liegt der Klosterbezirk Nea Moni (UNESCO-Weltkulturerbe), der Überliefung nach von Baumeistern aus Konstantinopel unter dem byzantinischen Kaiser Konstantin IX. Monomachos (1042-55) erbaut. Die Klosterkirche ist eine Kreuzkuppelkirche mit einer von 8 Stützen getragenen Zentralkuppel; Innenraum mit Mosaiken und Fresken aus dem 11. Jahrhundert, in der äußeren Vorhalle aus dem 14. Jahrhundert.
 
 
Chios, während der ionischen Wanderung von Ioniern besiedelt, kam um die Mitte des 6. Jahrhunderts v. Chr. unter persischer Herrschaft. Nach den Perserkriegen gehörte es bis 412 v. Chr. dem ersten, 377-357 dem zweiten Attischen Seebund an. In hellenistischer Zeit war Chios meist selbstständig, stand seit 190 v. Chr. aufseiten Roms, schloss sich jedoch 86 v. Chr. Mithridates VI. von Pontos an. Dennoch beließ Sulla Chios die Autonomie. Auf Chios blühte früh die epische Dichtung (Homeriden). Der Dichter Ion (5. Jahrhundert v. Chr.), der Historiker Theopompos (4. Jahrhundert) und der epikureische Philosoph Metrodoros (3. Jahrhundert) stammten aus Chios. Im Mittelalter gehörte Chios zum Byzantinischen Reich und seit 1304 meist zu Genua. 1566 fiel es an die Türken. Das »Blutbad von Chios« (1822; Gemälde von E. Delacroix) war die Reaktion der Türken auf die griechische Freiheitsbewegung (bei der Niederschlagung des 1821 begonnenen Aufstands auf Chios wurden 23 000 Einwohner ermordet, 47 000 in die Sklaverei verkauft). 1912 wurde Chios wieder griechisch.
 

Universal-Lexikon. 2012.

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